Kinderpilgern 2024
Pilgern 2024
„Vallah, ich brauche keine Wanderschuhe!“
Im Oktober 2023 habe ich angefangen auf der Wohngruppe Moglia zu arbeiten. Am Anfang war ich eher abwartend und wollte mal sehen, was so auf mich zukommt. Im Mai 2024 war ich dann das erste Mal mit den Jugendlichen zelten, nur eine Nacht und die habe ich auch hauptsächlich im Krankenhaus mit einem der Jungs verbracht, aber ich habe mich getraut ‚ja‘ zum Zelten zu sagen. In den Wochen danach war dann ziemlich schnell klar, dass ich Ende Juli mit zum Pilgern fahren werde. Daraufhin habe ich mich öfter mit pilger-erfahrenen Kolleg:innen ausgetauscht und mir die notwendigste Ausrüstung besorgt. Auch gemeinsam mit meinem Bezugsjugendlichen, der zu dieser Zeit erst wenige Monate auf der Gruppe war, habe ich das Nötigste eingekauft. Wanderschuhe wollte er auf keinen Fall, in meinem Kopf unvorstellbar - Pilgern ohne Wanderschuhe.
Bepackt mit meiner riesigen Reisetasche, meinem Zelt und der besten Luftmatratze überhaupt, ging es dann am 31.07.2024 los. Nach einer 3-stündigen Autofahrt, zuerst mit ziemlich aufgekratzten, dann mit ziemlichen müden Jungs, kamen wir an unserem Startpunkt an. Nach einer kurzen Ansprache mit Vorstellungsrunde hat jeder eine Karte mit der eingezeichneten Pilgerstrecke bekommen. Es war ein ziemlich heißer Sommertag und ich habe mir nicht richtig vorstellen können, wie es sich anfühlt stundenlang über Wiesen, Felder, Straßen, Radwege, Schotterwege und im Notfall auch durch Dickicht zu laufen. Immer im Blick noch genügend Handy-Akku, Snacks, Wasser und Blasenpflaster zu haben. Jetzt kann ich es mir ziemlich gut vorstellen, bzw. weiß wie es ist und zusammenfassend würde ich es als unvorstellbar bezeichnen. Die Kinder und Jugendlichen laufen einfach mit, manche in Wanderschuhen, manche ziehen das ganze einfach in Adiletten durch! Alle sind den ganzen Tag auf den Beinen, beschäftigt damit den Weg zu finden, Gespräche zu führen, Musik zu hören oder einfach schweigend kilometerweit miteinander zu laufen. Ich bin fast jeden Tag mit anderen Jugendlichen und verschiedenen Kolleg:innen gelaufen, manchmal nach der Pilgerkarte auf dem offiziellen Jakobsweg, ab und zu mit den Moglia-Jungs nach Google Maps durch den wildesten Wald im absoluten Stechschritt. Stehenbleiben keine Option. Die jugendlichen Jungs und Mädchen waren immer bereit zu laufen, alle sind an ihre Grenzen gegangen und meistens noch darüber hinaus. Jeden Tag aufs Neue.
Das Gefühl den Weg des Tages geschafft zu haben und schon die anderen am jeweiligen Zeltplatz zu hören ist unbeschreiblich – die letzten Meter darf jeder durch ein Spalier der anderen Pilgerer laufen und wird dabei angefeuert und bejubelt. Die Wanderschuhe, Adiletten, Crocs oder wahlweise auch Flip-Flops werden ausgezogen, mit etwas Glück fließt ein Bach am Zeltplatz vorbei und die Füße können sich ausruhen - für ungefähr 30 Minuten, denn dann gibt es Spiele und das lang ersehnte, immer leckere Abendessen oder die Spülparty. Es werden die Zelte eingeräumt, die hoffentlich vorhandenen Duschen ausgecheckt und im besten Fall auch benutzt und ein Platz an der Mehrfachsteckdose für Handy und Powerbank gesichert. Ca. gegen 23 Uhr waren dann alle Kinder und Jugendlichen in ihren Zelten und sind meistens sehr schnell eingeschlafen. Wir Betreuende saßen jeden Abend am Lagerfeuer und haben den Tag reflektiert, den neuen Tag geplant und viel geredet und gelacht, aber auch unsere Sorgen besprochen und immer wieder aufs Neue festgestellt, wie dehnbar Grenzen, seien sie physischer oder psychischer Art, sein können.
Insgesamt war es eine unglaubliche Erfahrung, sich jeden Tag auf die Jugendlichen und das Laufen zu konzentrieren, alle noch besser kennenzulernen und sich einfach drauf einzulassen.
2025 bin ich auf jeden Fall gerne wieder dabei!
Franzi - Moglia
