Kinderpilgern 2025

Veröffentlicht am: 22. Mai 2026

PILGER BERICHT : EIN EINBLICK IN DAS PILGERLEBEN

Das Pilgerprojekt des Don Bosco Jugendwerk Bamberg wurde von Milan Kriegelstein ins Leben gerufen. Und der Beweggrund? Sich zu bewegen. Oder eher gesagt, etwas zu bewegen. Pilgern war die Aktivität, die jedem Möglich war. Herkunft, Glaube und Gender ist hier völlig irrelevant: Denn diese Strecken zu gehen, das schafft jeder der zwei Beine hat. Das erste Pilgern startete im Sommer 2018 in Bamberg, und bis 2020 hatten die vielen Pilgerer/innen bereits Basel erreicht. 2021 startete die große Truppe dann von Berlin und lief bis nach Leipzig, und ab 2022 führte die Reise von Fehmarn über Städte wie Lüneburg, Lübeck, Hannover und Göttingen, bis 2025 Bamberg erreicht und man  endlich angekommen war. Insgesamt zählt man hier über 1600 km, die die starken Pilgerer und Pilgerrinnen geschafft haben. 
„Pilgern ist ein bisschen wie Vegas: Verrückt, unvorhersehbar, abenteuerlich und was auch immer beim Pilgern passiert, bleibt beim Pilgern.“ Der erste Eindruck, den diese Journalistin nach ihrem ersten Pilgern 2021 hatte. Pilgern ist ein Teil vom Leben und Aufwachsen im Don Bosco Jugendwerk Bamberg. Geht man einmal mit, dann geht man immer mit. Es scheint nach außen hin verrückt zu sein. Suspekte „was ist das?“ Fragende Blicke mustern dich, wenn du überhaupt das Wort „Pilgern“ in deinen Satz einbaust. Und natürlich Fragen außenstehende: „Boah, wie kann das denn Spaß machen? 
Und spätestens dann fängt der/die ein oder andere/r Pilgerer/in an, zu grinsen und an echt lustige Pilgermomente zu denken, und das allein ist schon Gold wert. Denn das bekommt man auch nur vom Pilgern. Scheint vage, ist es aber nicht. Pilgern ist eine Erfahrung, für die es keine Tribute Band, keinen Dupe, keinen Ersatz gibt. Jedes Kind macht über die Jahre gute und schlechte Erfahrungen, aber selbst in den dunkelsten Momenten schenkt das Pilgern licht. Man freut sich darauf und kann kaum den Sommer abwarten. Und warum? Weil Pilgern ein kleiner Urlaub vom Leben ist. Man fühlt sich frei, alles scheint machbar zu sein. 
Es gibt keine Grenzen, kein Limit (außer das eigene natürlich). Alles ist lockerer, man hat eine schöne Auszeit vom anstrengenden Alltag in der Jugendeinrichtung. „Ich bin frei, frei von Konvention“ sagt Luca Kriegelstein, der offizielle Hype-Man unter den Kids nach sechs Mal Pilgern. Von seiner Pilgererfahrung weiß man, das Sportlichkeit ein klarer Vorteil ist, aber sich alle sowieso irgendwann an das ganze Laufen gewöhnen. „Laufen ist nicht der Fokus, sondern das um einen herum.“ Auf der Strecke geht es für ihn darum, wertvolle Momente und Erlebnisse einzufangen und anderen das Laufen einfacher zu machen, z.B durch kreative Ablenkung von der körperlichen Belastung. 
Das Pilgern allein lockert die sonst eher angespannte Beziehung zwischen Betreuer und Kind auf, es vereinfacht und bindet. Alle stecken zusammen mittendrin, sei das beim Aufbau der Zelte mit dem Orga-Team oder beim Verlaufen mit sieben Mitstreitern nach den ersten drei Kilometern. Wie fast jede Sache, die der Mensch in seinem Leben durchmacht, hat auch das Pilgern Dinge an sich, die nicht so gut oder gar beängstigend erscheinen. So oft hört man „Ich kann nicht mehr!“ oder „meine Füße tun weh!“ Das man schon daran gewöhnt ist. Durch die körperliche und emotionale Belastung kommt ein jede/r Pilgerer/in an seine/ihre Grenzen. 
Man fühlt das Ziehen in den Waden und die Blasen an den Füßen, und die Mutlosigkeit, wenn nach einer scheinbar ewig langen Strecke noch 10 km zu laufen hat. Alle schönen Dinge haben eben auch ihre negativen Seiten: Der schönste Mann kann emotional unerreichbar sein, und die Lieblingsfrucht eine allergische Reaktion auslösen. Und das Pilgern kann überaus anstrengend und emotional auslaugend sein. Egal ob man seinen Part als Läufer, Organisator oder als Teil des Orgateams beiträgt, jeder Teilhaber des Pilgerprojekts hat genau einen Tag, an dem die eigene Laune im Keller und weder Motivation und Kraft auffindbar ist. 
Und dann hilft das Pilgergemeinschaftliche Miteinander sehr, einen selbst wieder so hoch zu pushen, das man wieder kann. Pilgerinnen wie Claudia Mantel, die in ihrer Jahrelangen Pilgererfahrung definitiv einiges an Ruhe gelehrt hat sagt: „Alter ist ein Faktor, und Yogaismus.“  Diese besondere Pilgerin praktiziert Yoga seit 30 Jahren und hat sich natürlich viel mit der Ruhe beschäftigt. Sie ist das ideale Exempel dafür, das man Ruhe lernen kann. Mitpilgerrinnen in der Erwachsenenrolle deuten ganz klar: Ohne Claudia würde nix gehen. Ein ganz wichtiger und unverzichtbarer Aspekt ist also die Ruhe selbst, oder eben Claudia. 
Zudem werden nicht nur die Kinder und Jugendlichen an ihre Grenzen gebracht, sondern auch die Betreuenden. Zu sehen, wie sie dieselben Herausforderungen meistern müssen, macht sie Menschlicher. Es gibt das Gefühl, auf der selben Ebene zu sein und Verstanden zu werden. Vor allem unter den pilgernden Kindern ist das wichtig. Sie finden sich bereits in so jungen, wichtigen Jahren in einer Jugendeinrichtung wieder, wenn sie manchmal lieber Zuhause wären. Projekte wie das Pilgern geben ihnen die Gelegenheit, sich ordentlich auszutoben, ihre eigenen Grenzen zu kennen, zu erweitern, und natürlich soziale Kontakte zu knüpfen. 
„Arbeitstechnisch ist es schön, den Kindern zu zeigen was sie eigentlich können,“ sagt Organisator Milan Kriegelstein. In seiner Position trägt er natürlich viel Verantwortung, die im Pilgeralltag nicht so leicht auffällt. Aus seiner Erfahrung kann man sagen, das sich alles ins Positive verändert hat. Am Anfang wusste keiner so richtig, wie es läuft und es gab einige Ereignisse, die das zum Ausdruck gebracht haben. Umso schöner ist es aber mitzuerleben, wie diese Ereignisse zu lustigen Geschichten werden, die man sich auch außerhalb vom Pilgern gerne ins Gedächtnis ruft.
Und nach acht Jahren Pilgern ist man an dem Punkt, an dem alle mit der Routine vertraut sind und sich mit der Struktur des Projekts super zurechtfinden können. Für ihn wird beim Pilgern auch besonders deutlich, wie viel man aus den Beziehungen zu den Kids gewinnt und wie es die Gemeinschaft innerhalb der Einrichtung so zusammenbringt, wie es sonst nie der Fall ist. So viele junge Menschen auf einer so besonderen Art zu erreichen und zu begeistern ist einfach etwas ganz Besonderes.
Auch Max Kraus, der seine Motivation und gute Laune im Orgateam einsetzt, ist mit seinen schicken Skibrillen ein unersetzbarer Teil des Pilgerns bei Don Bosco Bamberg. „Haare immer heller, müder immer schneller, sauber alle Teller und ein fettes Glas Nutella,“ antwortet er auf die Frage, wie es ihm beim diesjährigen Pilgern den gehe. Er ist besonders davon fasziniert, wie weit die kleinsten Kinder und die ältesten Pilgerer/innen über ihre/ seine Grenzen gehen können und wie lange man es unter Pilgerumständen aushalten kann. 
Auch hier sind ihm deutliche Verbesserungen aufgefallen: Die Kinder und Jugendlichen sind über die Jahre motivierter geworden, und auch die Zelte sind laut ihm besser. Diese und auch alle anderen Veränderungen sind spürbar, schon wenn die Planung des Projekts ein halbes Jahr im Voraus beginnt und man voll von einer Euphorie ist, die nur das Pilgern auslösen kann. Hier, umgeben von Zelten, Gepäck, frischem Obst und den verschiedensten Menschen, darf man ein ganz einzigartiges soziales Umfeld erleben, das man sonst einfach nicht kennt. 
Teil eines größeren Ganzen zu sein fühlt sich für jede/n Pilgerer/in gut an, und Kinder sowie Betreuer verabschieden sich nur ungern von dem einzigartigen Projekt, das nicht nur unvergessliche Erinnerungen, schöne Momente und einiges an Kraft gegeben hat, sondern das auch die Beziehung zwischen Kind und Betreuer verstärkt und verschönert hat. Und das in einer Weise, wie niemand in der Einrichtung es je gedacht hätte.